Re: Ab wann Privatstunden?!?
Autor: boonen (144.65.36.---)
Datum: 09. Dezember 2005 14:49
Also wenn ich mir die postings zu diesem thema so anschaue, kommt mir nur eines in den sinn: wir sind alle viel zu klug, um es im tanzen zu etwas zu bringen. "trainingsmethode analytisch ableiten", "ich nehm eine stunde, wenn ich ein problem hab" usw. usw. na gute nacht!!
ich bin sicher nicht der herr neunmal-klug, aber ich hab in den letzten 13 jahren meines tanzlebens bei international erfolgreichen paaren folgende beobachtung gemacht: in den gesprächen ist immer wieder rausgekommen, dass die am anfang ihrer karriere fast nur privatstunden hatten, eher weniger oft in gruppenschulungen waren und dazu noch recht wenig selbst trainiert haben. ja wie kann das denn gehen?? meine erklärung dafür ist, und da muss ich den anderen recht geben, dass man am anfang einfach nicht weiß und nicht wissen kann, was gut für mich ist und was nicht. da brauch ich eben trainer auf die ich mich verlassen kann und noch viel wichtiger: auf die ich mich wirklich 100% verlasse (=aktives tun!!). und zwar dauernd. das geht eben dann am besten, wenn man häufig stunden hat. ich sag nicht, dass gruppentrainings per se schlecht sind. aber da ist es eben wie in einer schulklasse: dort wird eben durchschnitt unterrichtet. und bevor man beim freien training auf dumme gedanken kommt ("hmm, passt das, was mir der/die gesagt hat in mein analytisch erarbeitetes konzept?") - dann mal lieber gar nicht trainieren. zum tanzen gehört eine gewisse dummheit. grad am anfang. da sollte man stupid das machen, was der trainer sagt. und zwar nur das und bis zum umfallen. wenn das nicht erfolgversprechend ist: trainer wechseln! ich möcht ja niemanden beleidigen, aber die guten italiener, die ich kennengelernt habe, waren nicht wirklich mit außerordentlich viel intelligenz gesegnet. aber die haben eben ohne kompromisse trainiert, was ihnen ihre leute gesagt haben.
ich weiß schon, dass man nicht von sich selbst auf andere schließen sollte. aber als ich als keines kind tennis spielen lernte, hab ich mal drei jahre nur mit einem trainer gespielt. und sonst gar nicht. gut, ich hab vielleicht dadurch länger gebraucht als andere. aber nach den drei jahren konnte ich technisch richtig spielen und werde das auch sicher nicht mehr verlernen. so. und von unseren jungen tänzerInnen verlangen wir nun, dass die einmal in der woche ins gruppentraining wackeln, dann selbständig trainieren und dann sollen daraus die nächsten weltmeister werden???
klar, das ganze setzt voraus, dass es eben diese trainer gibt, auf die sich die jungen leute verlassen können. nun ja, da happerts eben leider ein bisschen hier im Ösi-Land. ich sag natürlich nicht, dass alle mies sind - ganz im gegenteil!! aber man muss schon anerkennen, dass zb in italien einfach ein ganz anderes angebot herrscht. die haben nicht nur einen sondern dutzende leute, die international top waren, verdammt gut getanzt haben und wissen, worauf es ankommt. das vorhandensein einer solchen "history" ist meiner meinung einer der wichtigsten gründe, warum der erfolg in manchen ländern besser klappt und in manchen weniger gut. noch dazu kommt, dass die ehemals erfolgreichen österreicher dann auch nicht die möglichkeiten haben, ihr wissen weiter zu geben. sorry, aber das musste ich auch noch loswerden.
in diesem sinne: viel spaß beim trainieren!